{"id":1362,"date":"2013-11-14T15:42:20","date_gmt":"2013-11-14T15:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/2013\/11\/14\/inside-wikileaks-transparenz-um-jeden-preis\/"},"modified":"2013-11-14T15:42:20","modified_gmt":"2013-11-14T15:42:20","slug":"inside-wikileaks-transparenz-um-jeden-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digitalrealism.info\/?p=1362","title":{"rendered":"Inside Wikileaks &#8211; Transparenz um jeden Preis?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1371\" aria-describedby=\"caption-attachment-1371\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/julian_assange_20091117_copenhagen_2-e1384604906118.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-1371 \" style=\"border:5px solid white;\" alt=\"Julian_Assange_20091117_Copenhagen_2\" src=\"http:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/julian_assange_20091117_copenhagen_2-e1384604906118.jpg?w=150\" width=\"150\" height=\"101\" srcset=\"https:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/julian_assange_20091117_copenhagen_2-e1384604906118.jpg 750w, https:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/julian_assange_20091117_copenhagen_2-e1384604906118-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1371\" class=\"wp-caption-text\">Julian Assange 2009<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Film Inside Wikileaks stellt die Frage, ob das Streben nach transparenten Instituten das Leben von Informanten gef\u00e4hrden darf. Die Antwort \u00fcberl\u00e4sst er jedem Einzelnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/gegenwartet-nicht\">Inside Wikileaks \u2013 Die f\u00fcnfte Gewalt<\/a> l\u00e4sst die Frage offen, ob die Ver\u00f6ffentlichungen durch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julian_Assange\">Julian Assange<\/a> auf <a href=\"http:\/\/wikileaks.org\/\">Wikileaks<\/a> tats\u00e4chlich Menschenleben gekostet haben. In einer fiktiven Nebenhandlung wird die Flucht des libanesischen Informanten der US-Regierung Dr. Tarek Haliseh dargestellt. Seine Flucht wurde durch die Ver\u00f6ffentlichung von US-amerikanischen Botschaftendepeschen, die Wikileaks von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bradley_Manning\">Bradley Manning<\/a> erhalten hatte, notwendig. Der Film wirft hierdurch die Frage auf, wie weit das Streben nach transparenten Institutionen gehen darf? Darf es das Leben von Informanten gef\u00e4hrenden?<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im konkreten Fall der Wikileaks Enth\u00fcllungen kann diese Frage nicht <a href=\"http:\/\/wikileaks.org\/The-Fifth-Estate.html#about\">endg\u00fcltig<\/a> gekl\u00e4rt werden. Aber diese ist auch in Zukunft f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichungspraxis von internen Informationen relevant. Denn auch wenn der Begriff des Whistleblowers neu ist, ist es die Praxis der Darlegung von internen Informationen an die \u00d6ffentlichkeit nicht und ihre Fortf\u00fchrung in der Zukunft ist mehr als wahrscheinlich.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am Ende des 19. Jahrhunderts war es der franz\u00f6sischen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marie-Georges_Picquart\">Majors Georges Picquart<\/a> der seine eigentlich <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/30051\/der-fall-dreyfus-und-die-folgen?p=all\">milit\u00e4rinternen Recherchen<\/a> \u00fcber die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dreyfus-Aff%C3%A4re\">Aff\u00e4re Dreyfus<\/a> der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machte. Im Watergate Skandal der 1970er Jahre best\u00e4tigte der damaligen stellvertretender Direktor des FBI <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/1491094\/Ex-FBI-chief-I-was-Deep-Throat.html\">Mark Felt<\/a> den Reportern der Washington Post ihre Thesen. Aktuell sind es die immer noch andauernden Ver\u00f6ffentlichungen von Wikileaks und die \u00dcberwachungsaff\u00e4re, die durch die <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/edward-snowden\">Enth\u00fcllungen<\/a> von Edward Snowden ausgel\u00f6st wurden, die daf\u00fcr sprechen, dass auch in Zukunft weiter mit unbequemen Informationen f\u00fcr Beh\u00f6rden zu rechnen ist. Neu an den aktuellen F\u00e4llen des Whistlblowings sind allerdings die Prominenz der Whistleblower und die M\u00f6glichkeiten der Medien der <a href=\"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/2013\/02\/25\/model-of-the-network-society-castells\/\">Netzwerkgesellschaft<\/a>, die es gestatten Informationen sehr schnell und unproblematisch einer breiteren <a href=\"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/2013\/08\/28\/the-blogger-as-the-intellectual-of-the-network-society\/\">\u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen<\/a>. Vor diesem Hintergrund wird auch noch mal die Gefahr f\u00fcr die Demokratie deutlich, die von der systematischen und fl\u00e4chendeckenden \u00dcberwachung der Bev\u00f6lkerung durch die Geheimdienste ausgeht. Beh\u00f6rden k\u00f6nnen sich noch st\u00e4rker dagegen immunisieren f\u00fcr ihr Handeln zur Verantwortung gezogen zu werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie aber sollen zuk\u00fcnftige Wistleblower mit der Frage umgehen, was ver\u00f6ffentlicht werden soll. Ist die Gef\u00e4hrdung von Informanten ein Kriterium um Informationen zur\u00fcckzuhalten?<\/p>\n<figure id=\"attachment_1373\" aria-describedby=\"caption-attachment-1373\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/656px-kings_place_from_york_way_in_2009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-1373 \" style=\"border:5px solid white;\" alt=\"656px-Kings_Place_from_York_Way_in_2009\" src=\"http:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/656px-kings_place_from_york_way_in_2009.jpg?w=150\" width=\"150\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/656px-kings_place_from_york_way_in_2009.jpg 656w, https:\/\/digitalrealism.info\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/656px-kings_place_from_york_way_in_2009-300x274.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1373\" class=\"wp-caption-text\">The Guardian HQ<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Film zeigt drei m\u00f6gliche aber auch sehr stereotypische L\u00f6sungen f\u00fcr das Problem. W\u00e4hrend es dort den staatlichen Beh\u00f6rden nur um den Schutz ihrer Informanten geht, verfolgt Julian Assange die Strategie der totalen Transparenz in Bezug auf das Handeln von m\u00e4chtigen Organisationen. Als vern\u00fcnftige Alternative zwischen diesen beiden Polen wird die Strategie von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Domscheit-Berg\">Daniel Domscheidt-Berg<\/a> und den Reportern des Guardians pr\u00e4sentiert. Ihre Strategie ist es die Informationen zun\u00e4chst zu pr\u00fcfen und anschlie\u00dfend, falls es m\u00f6glich ist, in einer Form zu ver\u00f6ffentlichen, die nicht das Leben von Informanten gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Film stiehlt sich mit diesem L\u00f6sungsvorschlag allerdings aus einem moralischen Dilemma, das nicht so einfach gel\u00f6st werden kann. Im fiktiven Fall des libanesischen Informanten sprechen zwei Argumente f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichungspraxis, die eine Gef\u00e4hrdung seines Lebens bewusst in Kauf nehmen darf. Zum einem ist er durch sein Arrangement mit der US-Regierung das Risiko seiner Enttarnung bewusst eingegangen. Zum anderem sind die entsprechenden Beh\u00f6rden f\u00fcr den Schutz ihrer Informanten verantwortlich. Diese beiden Argumente rechtfertigen aber keine r\u00fccksichtslose Ver\u00f6ffentlichungspraxis. Die Ver\u00f6ffentlichung muss immer im konkreten Fall abgewogen werden. Einer Gef\u00e4hrdung von Informanten auf der einen Seite muss immer einer ein vergleichbarer Nutzen auf der anderen Seiten gegen\u00fcber stehen. Das hei\u00dft, durch die Ver\u00f6ffentlichung muss eine vergleichbare Gef\u00e4hrdung auf einer anderen Seiten abgewandt werden. In einem konkreten Fall steht der Whistleblower oder der Journalist aber vor dem Problem, dass beides nur absch\u00e4tzt werden kann. Eine rationale Entscheidung ist also unm\u00f6glich und es muss auf der Basis von moralischen Prinzipien entschieden werden. Ist der Wert der Transparenz h\u00f6her einzusch\u00e4tzen als der Wert eines Menschenlebens? Diese Entscheidung liegt letztlich in der Verantwortung der Whistleblower und der Journalisten. Das Risikobewusstsein auf Seiten der Informanten und der Beh\u00f6rden ist dabei immer ein Argument, das im Zweifel f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung spricht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00a9 <em>Philipp Adamik 2013<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Artikel ist auch <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/philipp-adamik\/inside-wikileaks-transparenz-um-jeden-preis\">hier<\/a> als Community-Empfehlung auf &#8220;Der Freitag&#8221; erschienen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bildquellen:<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Julian_Assange_20091117_Copenhagen_2.jpg\">Julian Assange 2009<\/a>, ver\u00f6ffentlicht auf Wikipedia unter <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/deed.en\">CC BY-SA 2.0-Lizenz.<\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Kings_Place_from_York_Way_in_2009.jpg\">The Guardian HQ<\/a>, ver\u00f6ffentlicht auf Wikipedia unter <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/deed.en\">CC BY-SA 2.0-Lizenz.<\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film Inside Wikileaks stellt die Frage, ob das Streben nach transparenten Instituten das Leben von Informanten gef\u00e4hrden darf. 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