{"id":2795,"date":"2015-09-25T14:36:29","date_gmt":"2015-09-25T14:36:29","guid":{"rendered":"http:\/\/digitalrealism.info\/?p=2795"},"modified":"2015-09-25T14:36:29","modified_gmt":"2015-09-25T14:36:29","slug":"last-junkies-on-earth-unter-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digitalrealism.info\/?p=2795","title":{"rendered":"last junkies on earth &#8211; unter der stadt"},"content":{"rendered":"<p><strong>15 Meter unter der Innenstadt erstreckt sich Dortmunds bestgeh\u00fctetes Geheimnis: Ein\u00a05 Kilometer langes Labyrinth\u00a0aus G\u00e4ngen, zahlreichen Nebentunneln und ganzen Hallen sind die \u00dcberbleibsel der wohl gr\u00f6\u00dften Luftschutz-Bunkeranlage Europas.<\/strong><\/p>\n<p>Den \u00e4lteren unter uns ist die Existenz dieser Anlage wohlbekannt und selbstverst\u00e4ndlich, doch eine gepflegte Mauer des Schweigens Seitens der Stadt und der Beh\u00f6rden f\u00fchrte dazu, dass ein Gro\u00dfteil der j\u00fcngeren Dortmunder noch nie von dem gigantischen Luftschutzstollen unter der Stadt\u00a0geh\u00f6rt haben. Insgesamt 19 Eing\u00e4nge, von denen nur noch ein paar wenige existieren und gut gesichert oder verschwei\u00dft sind, erm\u00f6glichten der\u00a0Zivilbev\u00f6lkerung im 2. Weltkrieg w\u00e4hrend der gro\u00dfen Bombardements auf Dortmund die sichere Zuflucht in die Katakomben unter der Stadt.<\/p>\n<p><!--more-->Die Rede ist hier von 40.000 bis zu geplanten 150.000 Menschen, die in das Tunnelsystem fl\u00fcchten sollten \u2013 damit man mal die gigantischen Ausma\u00dfe der Anlage begreift. Heutzutage tauchen Teile der Tunnel immer wieder bei Bauarbeiten auf und geben einen Einblick in das verwinkelte System. Wer dort illegal einsteigt, kann von Dortmund Dorstfeld aus parallel unter der Rheinischen Stra\u00dfe entlang spazieren, unter dem Dortmunder U weiter bis unter den\u00a0Hauptbahnhof und die Innenstadt gehen oder rechts ab bis zum \u00e4u\u00dferen Ende des\u00a0Westpark wandern. Davon wollen wir\u00a0an dieser Stelle nat\u00fcrlich zwingend abraten: Ihr trefft auf ein v\u00f6llig marodes, unbeleuchtetes und stockdunkles Labyrinth mit zahllosen Nebentunneln, in denen sich unter Umst\u00e4nden gef\u00e4hrliche Gase entwickeln k\u00f6nnen. Strafbar macht ihr euch au\u00dferdem auch dabei.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Schweigen \u00fcber die gigantische Anlage erkl\u00e4rt sich zum Teil\u00a0aus ihrer Entstehung, denn zum Ausbau wurden haupts\u00e4chlich Kriegsgefangene und KZ-H\u00e4ftlinge eingesetzt, die w\u00e4hrend der Bombardements das System verlassen mussten, um mehr Platz f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zu schaffen. Irgendwo in Dortmund h\u00e4ngen in einem Beamtenschr\u00e4nkchen die passenden Schl\u00fcssel zu den letzten existierenden Eing\u00e4ngen, mehr als eine nachtr\u00e4glich rekonstruierte Karte gibt es nicht, da die Originalkarten zum Kriegsende von den Verantwortlichen vernichtet wurden. Wer Antworten haben will, trifft in Dortmund auf systematisches Schweigen: Da eine v\u00f6llige Kl\u00e4rung der Besitztums- und damit Eigent\u00fcmerfrage unm\u00f6glich erscheint, gab es einen Erlass, <strong><a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/dortmund\/stadtinfo\/Dortmund-von-unten\/niemand-will-fuer-dortmunds-katakomben-zustaendig-sein-page3-id8454564.html\" target=\"_blank\">der es verbietet, \u201eInformationen \u00fcber den Stollen, die bei allgemeinem Bekanntwerden die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung gef\u00e4hrden k\u00f6nnen\u201c, herauszugeben<\/a>\u00a0<\/strong>(WAZ). Nun gut, dachten sich die <strong>Last Junkies<\/strong>, wenn die Stadt nicht reden will, dann fragen wir eben jemanden, der es wissen muss und schon mehrfach in der Anlage herumgewandert ist: die Dortmunder Sprayer-Szene.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2154\" src=\"http:\/\/lastjunkiesonearth.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Bunker-Dortmund-5.jpg\" alt=\"Bunker-Dortmund-5\" width=\"770\" height=\"513\" \/><\/p>\n<p>In der Tat war es nicht ganz einfach, den Kontakt zu den richtigen Leuten herzustellen, denn die letzte Sprayer-Generation, die durch die Tunnel wanderte, tat dies unseren Informationen nach um die Jahrtausendwende. Zu dieser Zeit waren die Eing\u00e4nge zwar auch gesichert, doch ein von der Stadt montiertes Vorh\u00e4ngeschloss wurde einfach geknackt und durch ein eigenes Vorh\u00e4ngeschloss ersetzt. So hatte man so lange einen eigenen Zugang zu dem Tunnelsystem, bis ein Instandsetzungstrupp, andere Sprayer oder Hobby-Bunker-Freaks das Schloss wieder ersetzten. Die meisten dieser Zug\u00e4nge wurden inzwischen zugemauert, so wie der bekannteste Eingang im Hinterhof des alten AOK Geb\u00e4udes. Andere Eing\u00e4nge im direkten Innenstadtbereich sind durch mindestens doppelt gesicherte Stahlt\u00fcren verschlossen worden, so der Eingang an der Schmiedingstra\u00dfe, der Eingang rechts neben den Katharinentreppen (hier befand sich einer der damaligen Haupteing\u00e4nge) sowie der kleine Zugang direkt gegen\u00fcber des Dortmunder U-Turms. Auch f\u00fchren mehrere Gullideckel im Bereich Westentor direkt in die Katakomben, aber macht euch keine Hoffnungen, auch sie wurden mittlerweile verschwei\u00dft. Einen der unauff\u00e4lligsten und doch interessantesten Zug\u00e4nge ist der durch Gitterplatten versiegelte Eingang am Ende der M\u00f6llerstra\u00dfe. Zur Zeit scheint es also unm\u00f6glich, in das System auf einfachem Wege einzudringen. Was aber w\u00fcrde euch dort unten erwarten?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2177\" src=\"http:\/\/lastjunkiesonearth.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bunker-Dortmund-30.jpg\" alt=\"Bunker-Dortmund-30\" width=\"770\" height=\"513\" \/><\/p>\n<p>Die Stollen im Innenstadtbereich sind gigantisch, erz\u00e4hlt man uns. Man k\u00f6nnte sie locker mit einem PKW durchfahren. Dazu sind sie sehr sauber, mit Wellblechplatten ausgekleidet und die Temperatur betr\u00e4gt\u00a0ganzj\u00e4hrlich circa 13 Grad. Lebewesen oder Pflanzen findet man hier unten keine, daf\u00fcr aber glasklares Wasser, was von den W\u00e4nden perlt. Auch Ger\u00e4usche dringen von au\u00dfen nicht ein. Wenn man 15 Meter unter der Innenstadt steht, h\u00f6rt man nicht einen Laut von dem allt\u00e4glichen Treiben \u00fcber einem. Das Eindringen in solch eine Welt hat etwas magisches, erhabenes, berichtet man uns. Es macht regelrecht s\u00fcchtig, diese verlassenen und stillen R\u00e4ume zu betreten, von denen niemand etwas\u00a0ahnt, der 10 Meter \u00fcber dir durch die hektische Innenstadt l\u00e4uft. Macht man sich mit genug Akkus f\u00fcr Lampen auf den Weg, kann man locker 6 oder mehr Stunden in dem Komplex verbringen. Geht das Licht aus,\u00a0hat man ein riesiges Problem. Einmal auf Tour, geht es immer tiefer hinein in das verwinkelte System. Einige Nebenarme f\u00fchren zu den R\u00fcckseiten der verschlossenen Eing\u00e4nge. \u201eEin komisches Gef\u00fchl, als einziger Mensch auf der anderen Seite zu stehen\u201c, erz\u00e4hlt einer, der es wissen muss. Seine Einstiege sind im zweistelligen Bereich, seinen Namen d\u00fcrfen wir nicht nennen. \u201eVor dem Hauptbahnhof war mal eine Baustelle und direkt unter der Treppe, die damals zur Live-Station hochf\u00fchrte, war ganze 6 Monate ein Zugang freigebuddelt, nur durch ein Brett gesichert.\u201c Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Nur ein unscheinbarer, wei\u00dfer Bel\u00fcftungsschacht neben der Treppe verr\u00e4t\u00a0die Anlage unter dem Bahnhof. \u00c4hnliche Bel\u00fcftungssch\u00e4chte und pilzartige Kamine findet man in den Geb\u00fcschen des Westparks. \u201eDie Stollen Richtung Westpark sind nicht mehr sauber und gepflegt. Teilweise sind es einfach in den Fels geschlagene G\u00e4nge, voll mit Tropfsteinen, Wurzeln und altem Werkzeug.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2178\" src=\"http:\/\/lastjunkiesonearth.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Bunker-Dortmund-25.jpg\" alt=\"Bunker-Dortmund-25\" width=\"770\" height=\"513\" \/><\/p>\n<p>Auch beim Bau der Stadt \u2013 und Landesbibliothek trat einer der gro\u00dfen G\u00e4nge zutage und wurde w\u00e4hrend des Baus mit einer gigantischen Betonplatte verschlossen. Wie viele Eing\u00e4nge im Innenstadtbereich tats\u00e4chlich noch in den Kellern der gewerblichen Geb\u00e4ude an das System angeschlossen sind, wei\u00df niemand. In den Gew\u00f6lben des Dortberghauses neben den Katharinentreppen soll es noch einen Zugang geben, munkelt man. Und ob ein Anwohner in der M\u00f6llerstra\u00dfe mal in seinem Keller eine alte Stahlt\u00fcr \u00f6ffnet und pl\u00f6tzlich in den gigantischen Komplex hineinstarren kann, werden wir wohl auch nicht erfahren. So hat Dortmund eine echte Urban Legend unter seiner Oberfl\u00e4che. Die G\u00e4nge und Tunnel sind da und warten nur darauf, dass\u00a0die n\u00e4chste Baggerschaufel ein klaffendes Loch in die Anlage rei\u00dft und die ewige Dunkelheit mit gl\u00e4nzendem Tageslicht flutet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"overflowing\" src=\"http:\/\/cdn.thinglink.me\/api\/image\/448773128538030081\/1024\/10\/scaletowidth#tl-448773128538030081;929564252%27\" alt=\"http:\/\/cdn.thinglink.me\/api\/image\/448773128538030081\/1024\/10\/scaletowidth#tl-448773128538030081;929564252%27\" \/><\/p>\n<p>Der Text wurde hier mit freundlicher Genhemigung von Bj\u00f6rn Herring erneut ver\u00f6ffentlicht. Alle Fotos wurden hier gem\u00e4\u00df den <a href=\"http:\/\/www.lostareas.de\/Copyright.htm\">Lizenzbedingungen<\/a> von Ingo Bornemann\/ LostAreas.de ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lastjunkiesonearth.com\/15-meter-unter-der-stadt-dortmunds-dunkles-geheimnis\/\">Hier<\/a> geht es zum <a href=\"http:\/\/lastjunkiesonearth.com\/\">last junkies on earth<\/a> Artikel mit weiteren Fotos von <a href=\"http:\/\/lostareas.de\/\">Ingo Bornemann<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15 Meter unter der Innenstadt erstreckt sich Dortmunds bestgeh\u00fctetes Geheimnis: Ein\u00a05 Kilometer langes Labyrinth\u00a0aus G\u00e4ngen, zahlreichen Nebentunneln und ganzen Hallen sind die \u00dcberbleibsel der wohl gr\u00f6\u00dften Luftschutz-Bunkeranlage Europas. 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