{"id":532,"date":"2013-03-30T10:40:30","date_gmt":"2013-03-30T10:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/?p=532"},"modified":"2013-03-30T10:40:30","modified_gmt":"2013-03-30T10:40:30","slug":"eine-rezeptionsanalytische-kritik-von-michael-hardts-und-antonio-negris-demokratie-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digitalrealism.info\/?p=532","title":{"rendered":"Michael Hardt und Antonio Negri &#8220;Demokratie&#8221; (2013). Eine rezeptionsanalytische Kritik. Teil I."},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Am 14. Februar erschien im Campus Verlag Frankfurt die deutsche \u00dcbersetzung von <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Declaration, <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">der beiden, haupts\u00e4chlich durch ihr Buch <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><a class=\"zem_slink\" title=\"Empire (book)\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Empire_%28book%29\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Empire<\/a><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> (2000, dt. 2002) bekannten neomarxistischen Theoretiker <a class=\"zem_slink\" title=\"Michael Hardt\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Hardt\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Michael Hardt<\/a> und <a class=\"zem_slink\" title=\"Antonio Negri\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Antonio_Negri\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Antonio Negri<\/a>. Die deutsche \u00dcbersetzung des Titels ist mit <\/span><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3593398257\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3593398257&amp;linkCode=as2&amp;tag=digitreali-21\u2033&gt;Demokratie\"><em><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Demokratie<\/span><\/em><\/a><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> leider etwas ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt, was bei den deutschen Zeitungskritikern zu reichlich Verwirrung gef\u00fchrt hat.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Die Verwirrung der Kritiker<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Aufh\u00e4nger der Verwirrung sind die ersten S\u00e4tze des Buches:<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Dies ist kein Manifest. Manifeste verk\u00fcnden uns Idealwelten und beschw\u00f6ren ein geisterhaftes Subjekt. Sie geh\u00f6rten in eine Zeit, in der Politik Propheten folgte, die sich ihr Volk erschufen\u201c (Hardt, Negri 2013).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Die Meinung der KritikerIn ist eindeutig. Entgegen dem, was die Autoren behaupten, sind sie sicher, es handelt sich bei diesem Text um ein Manifest. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Christoph David Piorkowski von der S\u00fcddeutschen Zeitung und <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/literatur\/-demokratie--romantisches-theorie-brimborium,1472266,21968466.html\">Robert Misik<\/a> von der <a class=\"zem_slink\" title=\"Frankfurter Rundschau\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Frankfurter_Rundschau\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Frankfurter Rundschau<\/a> definieren den Text einfach autorit\u00e4r entgegen des Willens der Autoren zu einem Manifest (Piorkowski 2013 und <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/literatur\/-demokratie--romantisches-theorie-brimborium,1472266,21968466.html\">Misik 2013<\/a>).<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!112677\/#send-comment\">Tania Martini <\/a>von der <a class=\"zem_slink\" title=\"Die Tageszeitung\" href=\"http:\/\/taz.de\" target=\"_blank\" rel=\"homepage\">Tageszeitung<\/a> erkennt darin einen Trick. Aber entgegen der beiden m\u00e4nnlichen Autoren macht sie sich zumindest die M\u00fche eine Begr\u00fcndung f\u00fcr ihre Meinung zu finden. \u201eSchon die w\u00f6rtliche Herleitung von \u201eManifest\u201c und \u201eDeklaration\u201c ergibt diese Trennung nicht. Bedenkt man, dass Manifest \u201eetwas handgreiflich machen\u201c hei\u00dft und Deklaration nicht nur mit \u201eKundmachung\u201c, sondern auch mit \u201eOffenbarung\u201c \u00fcbersetzt werden kann, relativieren sich die Unterschiede sehr\u201c (<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!112677\/#send-comment\">Martini 2013<\/a>). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Aber auch Martinis Begr\u00fcndungsversuch greift ins Leere. Bei dem Text handelt es sich tats\u00e4chlich um eine Deklaration. Die Unterscheidung zwischen Deklaration und Manifest ist dabei aber nicht semantisch, sondern historisch und performativ begr\u00fcndet. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Hardt und Negri stellen <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">eindeutig in die Tradition des intellektuellen Schaffens von <a class=\"zem_slink\" title=\"Karl Marx\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Marx\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Karl Marx<\/a> und Grenzen es gleichzeitig davon ab. Es geht dabei aber nicht vorrangig um eine Denktradition &#8211; Hardt und Negrie sind eindeutig einer neomarxistischen Denktradition zu zurechnen \u2013 sondern um eine Handlungstradition. Ebenso wie Karl Marx mit dem Kapital haben sie mit Empire und ihren folgenden Werken wissenschaftliche Werke auf h\u00f6chsten Niveau geschrieben. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, die auf dem von <a class=\"zem_slink\" title=\"Slavoj \u017di\u017eek\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Slavoj_%C5%BDi%C5%BEek\" target=\"_blank\" rel=\"wikipedia\">Slavoj Zizek<\/a> geschriebenen Klappentext basiert, ist Empire und die folgenden Werke eben nicht mit dem <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Kommunistischen Manifest <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">zu vergleichen, sondern mit dem <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Kapital<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">. Denn ebenso wie Karl Marx mit dem <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Manifest der kommunistischen Partei <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">haben sie mit <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">einen politischen Text geschrieben, der sich an ein allgemeines, nicht bildungsb\u00fcrgerliches globales Milieu richtet. W\u00e4hrend sie es aber auf der Handlungsebene Marx gleichtun, grenzen sie sich auf der intellektuellen Ebene von ihm ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Das <\/span><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manifest_der_Kommunistischen_Partei\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Manifest der kommunistischen Partei <\/i><\/span><\/a><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">sollte<\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i> das <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Gr\u00fcndungsdokument einer Partei und damit einer Organisation sein. In dem u.\u00a0a. die Ziele Partei, wie \u201edie Bildung des Proletariats zur Klasse\u201c (Marx, Engels (orig.) 1848), dargelegt wurden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">oder besser <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> bricht an dieser Stelle mit der marxistischen Tradition. Entgegen den Zielen des <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Manifests <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">geht es <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie\/Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> nicht um die Gr\u00fcndung einer Organisation. Hardt und Negri berufen sich auf eine andere Handlungstradition, die der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der Vereinigten Staaten im Original <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unabh%C3%A4ngigkeitserkl%C3%A4rung_der_Vereinigten_Staaten\">Declaration of Indipendence<\/a>.<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Wie Thomas Jefferson und die restlichen Mitglieder des Vorbereitungskommitees die 13 britischen Kolonien 1776 f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4rten, erkl\u00e4ren sie die weltweit verteilten Protestbewegungen f\u00fcr unabh\u00e4ngig von den Nationalstaaten, in denen die Proteste stattfinden und deklarieren sie zu den Gr\u00fcndungsv\u00e4tern und -m\u00fcttern einer neuen politischen Ordnung jenseits des Nationalstaates. Die Frage, ob es sich um ein Manifest oder eine Deklaration handelt, ist eben keine der literarischen Gattung, sonder eine der Performatitivit\u00e4t der Sprache. In dem Michael Hardt und Antonio Negri die Protestbewegungen als Frei deklarieren, stellen sie sich an die Spitze dieser Bewegung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Diese Form der F\u00fchrung ist aber keine dauerhafte, die mit einem klassischen Verst\u00e4ndnis von Hierarchie zu erfassen ist. Es ist nur eine tempor\u00e4re. Es ist die F\u00fchrung innerhalb der flexiblen Hierarchien eines Netzwerkes, in dem die Bedeutung von Menschen keine Frage der Position, sondern der aktuellen Leistung ist. Diesen F\u00fchrungsanspruch unterstreichen sie auch durch die Preispolitik ihres Werkes. W\u00e4hrend die deutsche Ausgabe mit 12,90 f\u00fcr ein schmales B\u00e4ndchen von 127 Seiten und billigster Verarbeitung sehr teuer ist, bieten die Autoren ihr Buch im Original als E-Book f\u00fcr den symbolischen Preis von einem Euro an. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Die falsche Einordnung des Werkes und die Kritik der KritikerIn (Fortsetzung der Diskussion)<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Die falsche Einordnung des Werkes geht aber \u00fcber die eines, nennen wir es einfach mal in einem postmodernen Sinne, politischen Genr\u00e9s hinaus. Das es sich bei <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie\/Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> um einen politischen Text handelt haben sie ja im Prinzip auch durch ihre falsche Einordnung des Textes als Mainifest verstanden und bedauern es. Dennoch legen sie die Ma\u00dfst\u00e4be eines wissenschaftlichen Textes an und bezeichnen Hardt und Negris, in den Begriffen der deutschen \u00dcbersetzung, Rollen-Typologie als \u201eundifferenziert\u201c (Piorkowski 2013), ihre Ideologie \u201eals eine Welt mit der Axt zusammengehauen\u201c (Misik 2013), oder sehen im Titel des Originals <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"> eine Selbstverortung der Autoren, die ihre politische Theorie vor dem Leid aller politischen Theorien bewahren soll, das eine \u00fcber allem stehende Sprecherposition erkenntnistheoretisch nicht zu legitimieren sei (Martini 2013). Das ist sicher das Leid aller, auch naturwissenschaftlicher Theorien, aber <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie\/Deklaration <\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">ist eben keine politische Theorie, die den Anspruch hat Wirklichkeit zu beschreiben und zu erkl\u00e4ren, sondern eben <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">, die sich wie Theorien Wirklichkeitsbeschreibungen, aber auch Utopien zu nutze macht um die bestehende Wirklichkeit zu ver\u00e4ndern. Wer ein genaueres Bild dieser Wirklichkeit braucht, kann ja immer noch in den anderen Werken der Autoren nachschauen oder sich ganz andere Quellen zu nutzen machen. Dies ist aber nicht die Aufgabe von <\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><i>Demokratie\/Deklaration<\/i><\/span><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Weitere Kritikpunkte der Rezipienten<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Einige der Kritikpunkte lassen sich leicht durch die falsche Einordnung des Textes durch die KritikerIn erkl\u00e4ren, aber nicht alle. Insgesamt werden vier weitere Hauptkritikpunkte genannt, die es ernst zu nehmen gilt. Diese sind <i>die Kritik am Rollenbegriff der deutschen \u00dcbersetzung<\/i>, <i>die Kritik an der Systematisierung der unterschiedlichen globalen Protestbewegungen unter dem gemeinsamen Dach der Multitude<\/i>, <i>die Kritik am Lob der F\u00fchrungslosigkeit der Bewegungen<\/i> und <i>das Fehlen konkreter Handlungsvorschl\u00e4ge<\/i>. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><b>Die Kritik am Rollenbegriff der deutschen \u00dcbersetzung<\/b> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Der am einfachsten zu entkr\u00e4ftende Kritikpunkt ist die von Tania Martini ge\u00e4u\u00dferte Kritik an der deutschen \u00dcbersetzung des Begriffs der <i>subjectivities <\/i>durch den Begriff der<i> Rollen:<\/i><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Sprechen Hardt und Negri im Original von Subjektivit\u00e4ten, so entschied man sich im Deutschen f\u00fcr \u201eRollen\u201c. So als k\u00f6nne man Rollen einfach annehmen und ablegen und als w\u00e4ren die Subjekte nicht ihrer eigenen Identit\u00e4t verhaftet\u201c (Martini 2013).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Mit Sicherheit ist die Martinis \u00dcbersetzung von <i>subjectivities <\/i>durch <i>Subjektivit\u00e4ten <\/i>dem Rollenbegriff der deutschen \u00dcbersetzung vorzuziehen, aber zumindest in der soziologischen Tradition und dem Theater, aus dem die Soziologen den Begriff entlehnt haben, hat der Rollenbegriff nichts mit einem \u201eVoluntarismus\u201c zu tun. In der strukturfunktionalistischen soziologischen Tradition nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ralph_Dahrendorf\">Ralph Dahrendorf<\/a> (Dahrendorf 1972), steht der Rollenbegriff geradezu f\u00fcr die sozialen Zw\u00e4nge, die die Gesellschaft auf die Individuen aus\u00fcbt. Wer die Erwartungen an seine Rolle erf\u00fcllt wird belohnt, oder zumindest nicht bestraft, wer sie nicht erf\u00fcllt, wird aber gnadenlos bestraft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Aber auch in der voluntaristischeren Tradition der Wissenssoziologie nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_L._Berger\">Peter Berger<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Luckmann\">Thomas Luckmann<\/a> (Berger und Luckmann 1980) dienen die, durch Rezeptwissen institutionalisierte Rollen das Verhalten von Menschen innerhalb von Institutionen zu kontrollieren. Und selbst im Theater werden Rollen durch das geschriebene St\u00fcck und dem B\u00fchnenregisseur zwar nicht determiniert, aber f\u00fcr den Schauspieler eingeschr\u00e4nkt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Der Rollenbegriff hat also in keinster Weise einen voluntaristischen Aspekt, den es zu kritisieren gilt. Dennoch ist die Begriffswahl der deutschen \u00dcbersetzung recht ungl\u00fccklich. Martinis Vorschlag der <i>Subjektivit\u00e4ten <\/i>ist mit Sicherheit die beste Wahl, wenn auch im deutschen Sprachraum recht un\u00fcblich. Ein Kompromiss zwischen originalgetreue und deutschsprachiger Tradition liegt im Begriff der <i>Mentalit\u00e4ten<\/i>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Im Kern zielt Martinis Kritik aber auf den Voluntarismus des Originals. Aber auch dieser Kritikpunkt zielt eigentlich ins Leere. An keiner Stelle des Buches behaupten Hardt und Negri das es leicht ist sich dieser <i>Subjektivit\u00e4ten<\/i> zu entledigen. Vielmehr hat \u201eder Triumph des Neoliberalismus und seine Krise [&#8230;] die Wirtschaft und Politik von Grund auf ver\u00e4ndert. Aber auch auf gesellschaftlichem und menschlichen Gebiet haben sie gewaltige Umw\u00e4lzungen bewirkt und neue Rollen hervorgebracht. Die Vorherrschaft des Finanzwesens und der Banken hat \u201edie Verschuldeten\u201c geschaffen. Die Kontrolle \u00fcber Informations- und Kommunikationsnetze hat \u201edie Vernetzten\u201c erzeugt. Das Regime der \u00dcberwachung und der allgemeine Ausnahmezustand haben Subjekte hervorgebracht, die in Angst leben und sich nach Schutz sehnen: \u201edie Verwahrten\u201c. Und die Korruption der Demokratie hat sonderbare, entpolitisierte Subjekte geschaffen: \u201eDie Vertretenen\u201c. Diese vier Rollen bilden die die gesellschaftliche Landschaft, von der die Widerstandsbewegungen aus- und gegen die sie angehen m\u00fcssen.\u201c<i> <\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Hardt und Negri erkennen in Ihnen aber auch das Potential, dass \u201esie [sich] auch in ihr Gegenteil verkehren und neue Subjekte hervorbringen [k\u00f6nnen], die zu unabh\u00e4ngigen Leben und Handeln f\u00e4hig sind\u201c. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Diese F\u00e4higkeit liegt dabei aber mit Nichten allein in dem Willen des Individuums begr\u00fcndet, sondern bedarf des Zusammenschlusses zu einer Gemeinschaft. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\">Dieser Zusammenschluss zu einer Gemeinschaft f\u00fchrt uns zum n\u00e4chsten, dem vielleicht wichtigsten Kritikpunkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><b><a href=\"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/2013\/04\/01\/eine-rezeptionsanalytische-kritik-von-michael-hardts-und-antonio-negris-demokratie-2013-teil-ii\/\">Zum zweiten Teil:<\/a><br \/>\n<\/b><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/digitalrealism.wordpress.com\/2013\/04\/01\/eine-rezeptionsanalytische-kritik-von-michael-hardts-und-antonio-negris-demokratie-2013-teil-ii\/\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT, sans-serif;\"><b>Die Kritik an der Systematisierung der unterschiedlichen globalen Protestbewegungen unter dem gemeinsamen Dach der Multitude<\/b><\/span><\/a><\/p>\n<p>Ank\u00fcndigung:<\/p>\n<p>Eine um eine Kurzzusammenfassung erweiterte, \u00fcberarbeitete und Korrekturgelsene Fassung des Artikels erscheint im Verlauf der n\u00e4chsten Wochen als e-book bei Amazon Kindle zum symbolischen Pres von einem Euro. Dort ist bereits mein Essay \u201c<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-literarische-Wissen-ebook\/dp\/B00AQV814A\">Das literarische Wissen\u201d<\/a> erschienen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Berger, Peter L.; Luckmann, Thomas (1980): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Dahrendorf, Ralf (1972): Homo sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. 11. Aufl. Opladen: Westdt. Verl. (UTB, 28).<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Hardt, Michael; Negri, Antonio (2002): Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Hardt, Michael; Negri, Antonio (2013): Demokratie! Wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen. Frankfurt, M, New York, NY: Campus-Verl.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Martini, Tania (2013): \u201eDemokratie!\u201c von Negri &amp; Hardt: Gefangen im Manifest. Die Tageszeitung. Online verf\u00fcgbar unter http:\/\/www.taz.de\/!112677\/#send-comment, zuletzt aktualisiert am 13.03.2013, zuletzt gepr\u00fcft am 29.03.2013.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Marx, Karl (1989): Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. versch. Aufl. Berlin: Dietz.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Marx, Karl; Engels, Friedrich (2005 (orig. 1848)): Manifest der Kommunistischen Partei. Paderborn: Voltmedia.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Misik, Robert (2013): \u201eDemokratie\u201c: Romantisches Theorie-Brimborium. Frakfurter Allgemeine Zeitung. Online verf\u00fcgbar unter http:\/\/www.fr-online.de\/literatur\/-demokratie&#8211;romantisches-theorie-brimborium,1472266,21968466.html, zuletzt gepr\u00fcft am 29.03.2013.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family:Futura Lt BT;\"><span style=\"font-size:medium;\">Piorkowski, Chrsitoph David (2013): In der Schwitzh\u00fctte des Diskussionszeltes. S\u00fcddeutsche Zeitung.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a9 Philipp Adamik 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. Februar erschien im Campus Verlag Frankfurt die deutsche \u00dcbersetzung von Declaration, der beiden, haupts\u00e4chlich durch ihr Buch Empire (2000, dt. 2002) bekannten neomarxistischen Theoretiker Michael Hardt und Antonio Negri. Die deutsche \u00dcbersetzung des Titels ist mit Demokratie leider etwas ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt, was bei den deutschen Zeitungskritikern zu reichlich Verwirrung gef\u00fchrt hat. 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